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KIRCHENNACHRICHTEN

                   

Oktober 2021   / November 2021                          

für die Gemeinden St.- Bartholomäus und Luther in Waldenburg, Franken, Schlagwitz, Schwaben, Dürrenuhlsdorf, Ziegelheim, Niederwinkel und Oberwinkel / Ebersbach

Titelbild

Liebe Gemeinde!

Luther
Vom Mai 1521 an hielt sich Martin Luther für zehn Monate auf der Wartburg bei Eisenach auf. Seine Gegner trachteten ihm nach seinem Auftritt auf dem Reichstag in Worms nach dem Leben. Auf der Burg fand er Schutz und Sicherheit, bis sich die Lage im Land etwas beruhigt hatte.

Martin Luther wusste aus eigener Erfahrung, wie gefährdet das menschliche Leben ist. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Naturkatastrophen und Krankheiten, berufliche Rückschläge und Beziehungskrisen – jeder kann seine eigene Geschichte davon erzählen, wie ihm Böses widerfahren ist und ihm das Leben schwergemacht wurde.

Das Unheimliche an dem persönlichen Erleben von Leid und Bösem ist, dass wir es nicht wirklich verstehen. Es gibt keine plausible Erklärung dafür. Mag sein, dass kluge Leute die Ursachen für ein Starkregenereignis benennen oder den Prozess einer Virusinfektion entschlüsseln können. Aber es kann mir niemand sagen, warum die Flutwelle genau diese Region und jene Familie trifft, und andere verschont bleiben; warum der eine sich ansteckt und einen schweren Verlauf bekommt und dem anderen nichts passiert. Martin Luther war sich sicher, dass der Teufel der Urheber des Übels ist – und hat sein berühmtes Tintenfass nach ihm geworfen.

Wenn das Böse, in welcher Gestalt auch immer, nach uns greift, dann brauchen wir keine Erklärungen, sondern vor allem Kraft - Lebenskraft. Erklärungen sind meistens schnell bei der Hand, aber fast immer mangelt es an Kraft, aufzustehen und Mut zu fassen. Keine großen Pläne sind in bösen Zeiten notwendig, sondern vor allem jemand, der einen ehrlichen Zuspruch für uns hat, einen Halt, der nicht gleich bei der ersten Erschütterung nachgibt. Wenn das Leben uns übel mitspielt, dann suchen wir eine Zuflucht und keine Ausflüchte.

„Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns betroffen haben.“ So beginnt der 46. Psalm, den Martin Luther in seinem Kampf- und Trostlied vertont hat. Ja, das brauchen wir mehr als alles andere, wenn sich das Böse in unser Leben drängt: Zuversicht und Stärke.

Luther erlitt in seinem turbulenten Leben so viele Kämpfe und Gefahren, dass man heute nicht mehr sagen kann, worauf sich der Text dieses Liedes konkret bezieht. Aber aus seinen Worten ist das große Vertrauen herauszuhören: „Bei Gott finde ich Hilfe – wirklich immer.“

Und wir erfahren im Liedtext auch, woraus er dieses Vertrauen schöpft. „Ein Wörtlein kann ihn fällen – also: zu Fall bringen.“ Er meint damit das Wort Gottes, mit dem er sich in den Monaten auf der Wartburg intensiv beschäftigt hat. Ein Teil seiner Bibelübersetzung ist in jener Zeit entstanden.

Das ist wohl die entscheidende Haltung: Vor allem die Zusagen und Verheißungen Gottes sprechen lassen und ihnen zutrauen, dass sie auch dann gelten, wenn der Augenschein dagegen spricht. Tun, was Gott sagt – und unbeirrt festhalten an der Gewissheit, dass der Böse am Ende nicht Recht behält, sondern als Verlierer dastehen wird.

Bei dieser Haltung vergeht dem Teufel die Lust. Denn er hat es dann immer mit Gott zu tun, und das mag er nicht, weil er weiß, dass er unweigerlich den Kürzeren ziehen wird. Martin Luther drückt es so aus: „Es streit´ für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren. Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ, der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott. Das Feld muss er behalten.“

Mit herzlichen Grüßen zum Reformationsfest

Ihr Pfarrer Ulrich Becker

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